Dritte Preisverleihung der Stiftung zur Förderung der Schifffahrts- und Marinegeschichte in der Vertretung des Landes Bremen beim Bund und Europa

© Hans-Stephan Hudak

Am 03.November 2018 lud die Stiftung zur Förderung der Schifffahrts- und Marinegeschichte zur dritten Verleihung ihres Preises zur Förderung junger Wissenschaftler auf dem Gebiet er Schifffahrts- und Marinegeschichte ein.

Das Grußwort im Namen der Staatsrätin, Bevollmächtigte der Freien Hansestadt Bremen beim Bund und für Europa, Frau Ulrike Hiller, sprach der Leiter des Hauses, Herr Hanf. Das Grußwort der Deutschen Marine, übermittelte Admiralsarzt, Dr. Stephan Apel.

In einem äußerst interessanten Vortrag über die römische Handelsschifffahrt erläuterte Dr. Pascal Warnking (Universität Trier), wie anhand antiker Überlieferungen, moderner Computerprogramme und diverser Wrackfunde antike Handelsrouten von Schiffen im Mittelmeer rekonstruiert werden konnten, und sich damit vieles, was man vorher als Legende oder „künstlerische Freiheit“ bezeichnete, als real herausstellte.

Die anschließende Laudatio auf den Preisträger, Korvettenkapitän Dr. König, hielt Prof. Dr. Christoph Schäfer von der Universität Trier. Er präsentierte Dr. Königs Dissertation „Handelskrieg zur See. Ein historischer Vergleich deutscher Hilfskreuzer und Armed Merchand Cruisers des Britischen Empires im Zeitraum des Zweiten Weltkrieges“, eine Arbeit, die auch vom Deutschen Maritimen Institut unterstützt wurde.

Sichtlich bewegt nahm Dr. König die Ehrenurkunde aus den Händen des Vorsitzenden der Stiftung, Vizeadmiral a.D. Hendrik Born, und der Stiftungsgründerin, Frau Ute Redell, entgegen.

Das Trio "Die Klangstifter" umrahmte die Veranstaltung mit  sehr anspruchsvollen und mit hoher Klangqualität vorgetragenen Musikstücken.

Bei einem anschließenden Empfang in der Lobby der Landesvertretung Bremen  gab es reichlich Zeit zu einem ausgiebigen Gedankenaustausch.

Hans-Stephan Hudak

Laudatio durch den Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung, Professor Dr. Christoph Schäfer, Universität Trier

© Hans-Stephan Hudak

Sehr geehrte Frau Redell, Sehr geehrter Herr Hanf, sehr geehrte Herren Admirale, meine Damen und Herren, lieber Herr König,

lassen Sie mich einige Bemerkungen zum Verfahren machen, bevor ich den Preisträger in der gebotenen Kürze würdige. Alle Mitglieder des Beirats haben sämtliche eingereichten Arbeiten gelesen. Anschließend hat sich der wiss. Beirat im Umlaufverfahren hinsichtlich der Einschätzungen intensiv ausgetauscht und schließlich eine Entscheidung gefällt, die von sämtlichen Mitgliedern des Beirats getragen wird. Der Beirat war sich einig, dass er durchweg hochkarätige Arbeiten zu bewerten hatte.

Die Wahl für den Preis der Stiftung für Schifffahrts- und Marinegeschichte fiel auf Herrn Dr. Stephan König, dessen Person und Werk ich ihnen kurz vorstellen möchte.

Nach dem Abitur am Johann Georg Lingemann Gymnasium in Heiligenstadt trat Herr König 2001 in die Bundeswehr ein, wo er als Offizier der Deutschen Marine zuletzt im Rang eines Kapitänleutnants tätig war. Unter anderem fuhr er 2007–2010 als Nautischer Offizier an Bord von Flugkörperschnellbooten des 7. Schnellbootgeschwaders. Als Reservestabsoffizier ist er aktuell im Rang eines Korvettenkapitäns der Reserve beim Marinekommando, Abteilung Planung, Bereich Internationale Kooperation, tätig. 

An der Universität der Bundeswehr München studierte er Staats- und Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Wirtschaftsgeschichte, Neuere Geschichte, Politikwissenschaft, Öffentliches Recht, Statistik und Soziologie. Dort wurde er im April 2018 promoviert mit einer Dissertation zum Thema „Handelskrieg zur See – Ein historischer Vergleich deutscher Hilfskreuzer und Armed Merchant Cruisers des Britischen Empires im Zeitraum des Zweiten Weltkriegs“.

In dieser Arbeit untersucht Stephan König die Planung, den Aufbau und den operativen Einsatz von Hilfskreuzern im Zweiten Weltkrieg. Dabei konzentriert er sich auf die britischen Armed Merchant Cruiser (AMC) und die deutschen Hilfskreuzer (HSK). Gerade dieser komparative, mit einer Tiefenbohrung im Archivmaterial verbundene Ansatz stellt ein innovatives Moment seiner Untersuchung dar. Die intensive Archivarbeit in Deutschland und Großbritannien führt zu einer ganzen Reihe neuer Beobachtungen. Herr König stellt fest, dass das deutsche und das englische Hilfskreuzersystem zwar auf den ersten Blick gewisse Ähnlichkeiten aufweist, dass jedoch bei genauerem Hinsehen teils erhebliche Unterschiede auffallen.

Die handelsstörenden getarnten Hilfskreuzer der Deutschen legten ein offensives Verhalten an den Tag, die auffälligen und überdimensionalen britischen Passagierschiffe hatten hingegen defensiv den eigenen Handel zu schützen und die Seerouten zu sichern.

Beide Marinen wurden aufgrund des akuten Mangels an regulären Einheiten ausgerüstet und eingesetzt. Auf Seiten der Royal Navy wurden bereits erarbeitete Konzepte beispielhaft umgesetzt, bei der deutschen Marine musste man eher ad hoc auf die Situation reagieren. Allerdings war die sporadische Störung des Handels leichter zu realisieren als der dauerhafte Schutz des eigenen Seehandels.

Herr König kann als diametralen Unterschied zwischen den beiden Marinen auch entgegengesetzte Erwartungshaltungen herausarbeiten. Während die britische Seite voller Zuversicht und mit hohen Erwartungen den Einsatz der AMCs vorantrieb, hatte die deutsche Seite deutlich geringere Hoffnungen hinsichtlich der Effizienz der Hilfskreuzer. Im weiteren Verlauf der Ereignisse verkehrte sich diese Erwartungshaltung beider Seiten aufgrund der Erfahrungen im Einsatz jeweils in ihr Gegenteil.

Herr König bettet seine Arbeit ein in einen größeren Kontext, indem er zum Schluss auch einen Blick in den Umgang anderer zeitgenössischer Marinen wie etwa der französischen oder der japanischen mit den Hilfskreuzern wirft und schließlich im Hinblick auf die Bundeswehr aufzeigt, dass schon direkt nach dem Beginn des Kalten Krieges Hilfskreuzer obsolet geworden waren wegen der Stärke der jeweiligen Marinen. Für die Bundeswehr kam ein Einsatz auch wegen der verbesserten Aufklärungsmöglichkeiten nicht mehr in Frage.

Die Arbeit schlägt einen hervorragenden Bogen von der maritimen Sicherheitspolitik, Seemacht, der historischen Einordnung, den technischen und operativ-nautischen Belangen für den Einsatz der AMC und Hilfskreuzer, bis hin zu den Themen Menschenführung, persönliche Betroffenheit, Intention und Meinung der Akteure sowie Eindrücken von Besatzungen und Vorgesetzten.

Die Arbeit verfolgt eine klare historische Fragestellung, hat einen neuen Forschungsansatz, verfügt aufgrund der komparatistischen Analyse  über ein Alleinstellungsmerkmal und bringt so insgesamt einen enormen wissenschaftlichen Mehrwert. Thematisch liegt sie im zentralen Sektor von Schifffahrts- und Marinegeschichte. Aus all diesen Gründen hat der  Wissenschaftliche  Beirat Herrn Dr. König für den Preis der der Stiftung zur Förderung der Schifffahrts- und Marinegeschichte vorgeschlagen.

Last but not least möchte ich mich bei dem Ehepaar Redell für die Einrichtung dieser einzigartigen Stiftung, bei meinen Kollegen im Wiss. Beirat der Stiftung FKpt Dr. Heinrich Walle und FKpt PD Dr. Dr. Torsten Albrecht sowie beim Vorsitzenden des Stiftungsrats Admiral Hendrik-Michael Born, dem Stellv. Vorsitzenden FKpt d.R. Lutz Adam und dem Finanzvorstand André Nütz herzlichst für ihren enormen Einsatz und die vertrauensvolle, harmonische Zusammenarbeit bedanken! Ganz herzlichen Dank!

 

© Hans-Stephan Hudak